Frau Harke in den Kamernschen Bergen

Schriftlich durch Herrn Kantor Görnemann in Kamern überliefert ist auch:

Frau Harke hielt sich ehemals auf den Kamernschen Bergen auf und einer der höchsten Punkte dort war ihr Wohnsitz. Ihre Wohnung war jedoch mehr in, als über der Erde, daher führt der Berg noch heute den Namen „Frau Harkenberg“. Nach einigen soll sie hier allein, nach anderen mit ihrem Mann, nach noch anderen ohne Mann, aber mit zwei Töchtern gewohnt haben.
Sie gehörte zum Geschlecht der Riesen und ihre Existenz fällt in die Zeit der Heidenbekehrung. Sie lebte meistens zurückgezogen und verließ ihren Berg nur selten. Ihren Wasserbedarf holte sie aus dem unweit Kamern gelegenen See, zu dem sie immer ein und denselben Weg nahm, der auch so ausgetreten war, daß er noch jetzt unter dem Namen „Frau Harkengrund“ oder „Frau Harkenstieg“ gezeigt wird.
Auf diesem Weg traf sie auf der Schönfeldschen Seite einmal einen mit vier Ochsen bespannten Pflug, den sie, verwundert über diese Erscheinung, mit Pflüger und Tieren in die Schürze raffte und mit zu ihrer Wohnung nahm. Nach anderen waren es ihre Töchter, die dies Gespann Ochsen ihrer Mutter mit der Äußerung brachten: „Sieh! Was für kleine Tierchen wir gefunden haben.“ Ihre Töchter sollen auch Teile der Berge spielend zusammengetragen haben.
Wollte Frau Harke zur Abkehr von Tieren und der Schweine einen Stock in der Hand haben, so erfaßte sie eine der Eichen und hob sie mit Wurzeln und Ästen auf. Zum Gesäß oder Stuhl bediente sie sich eines großen Steines, der in der Nähe ihrer Wohnung lag. Den Bau der Dome zu Stendal und Havelberg, die von ihrem Berg aus gesehen werden, versuchte sie dadurch zu verhindern, dass sie große Steine dahin schleuderte. Doch gelang ihr keiner dieser Würfe, denn ein Stein, der auf Stendal gezielt war, fiel auf den Arneburger Galgenberg; zur Vernichtung des Havelberger Doms nahm sie den großen Stein, der ihr bisher als Sitz diente, wobei nach Sage einiger auch ihr Mann behilflich war; doch der Stein zerbrach in drei Stücke, wovon sie das eine in der Hand behielt und zu ihren Füßen niederfallen ließ, ein zweites flog nach Rehberg und das dritte auf die Stöllenschen Berge.

Schaden fügte Frau Harke niemandem zu, und sie soll sogar wohltätig dadurch geworden sein, dass sie die kleinen märkischen Rüben in die Umgegend verpflanzte. Schließlich aber soll sie durch die Elbe gewatet und so verschwunden sein.

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